George Müller
Hände weg vom eigenen Kinn. 😉 Mehr zur Möchtergern-Denkerpose auf ZEIT Online. 🤔

Moin! Ich bin Georg Müller, wobei mich so ziemlich alle George (englisch ausgesprochen) nennen, was ich voll gut finde. Mit meiner Frau Dorothé (Doro) lebe ich in KasselBaunatal. Wir haben zwei Söhne: Jannis studiert in Gießen und Bennet macht voraussichtlich in zwei Jahren sein Abi.

Vielleicht bist du auf diese Website aufmerksam geworden, weil du etwas über ein mögliches „Kirchengründungsprojekt“ in Kassel gehört hast und dabei mein Name gefallen ist.

Damit du diese Initiative und auch mich besser einordnen kannst, hole ich ein wenig aus. Evtl. hilft das? Wem das „too much“ ist, kann schnell meine Vita überfliegen.

Meine Eltern haben mich nach „Georg Müller“, einem deutschen Theologen aus dem 19. Jahrhundert, auch bekannt als der Waisenvater von Bristol, benannt. Das zeigt schonmal zweierlei:

  1. Ich bin in einem frommen Kontext groß geworden. Soweit ich mich zurückerinnern kann, habe ich immer an einen Gott geglaubt. Und auch heute kann ich mir eine Nichtexistenz Gottes nicht vorstellen. Ja, das wird sehr viel mit meiner Prägung zu tun haben und ich kann absolut stehen lassen, dass das andere nicht nachvollziehen können und sich selbst eher als Agnostiker oder Atheist bezeichnen würden. Noch einmal kurz zum Stichwort „Prägung“: Aufgewachsen bin ich in einer moderaten evangelikalen Freikirche in einem kleinen Vorort von Kassel. Vieles dabei hat mich positiv und nachhaltig geprägt. Und dafür bin ich dankbar! Heute vertrete ich jedoch in vielen theologischen und ethischen Fragen eine progressivere Sichtweise. Meinte ich früher Theologie und Ethik in schwarz oder weiß, richtig oder falsch bzw. drinnen oder draußen einteilen zu können, habe ich mich heute von diesem binären Schema verabschiedet. Heute würde ich mich als „postevangelikal“ bezeichnen. Das beinhaltet für mich zum einen meinen evangelikalen Background, aus dem ich viel Gutes mitgenommen habe und zum anderen meine Entwicklung bei theologischen und ethischen Themen.
  2. Meinen Eltern war es wichtig, sich wie der Waisenvater von Bristol sozial zu engagieren. Mein Vater hat noch mit Ende 20 eine Krankenpflegerausbildung absolviert. Meine Mutter hat ihren Job als Großhandelskauffrau an den Nagel gehängt. Beide haben sich dann sehr stark in den Aufbau eines Altenpflegeheims des Sozialdienstes ihres freikirchlichen Gemeindebundes investiert. Bis zu ihrer Rente haben sie voller Überzeugung einen sozialen Beruf ausgeübt. Und auch das hat mich nachhaltig geprägt: Der Blick für die Benachteiligten und Hilfsbedürftigen. Auch wenn mein Vater manche konservativen Werte vertrat, war er immer ein Sozi. Und natürlich hat auch mich das wiederum in meiner politischen Weltanschauung beeinflusst.

So wird es dich nicht verwundern, dass ich nach meiner Schulzeit zunächst auch eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht habe. Danach war ich dann vier Jahre auf der theologischen Ausbildungsstätte meines Freikirchenbundes. Im Anschluss daran bin ich 1997 als Jugendpastor nach Pforzheim gekommen.

Die Zeit als Jugendpastor war eine sehr ambivalente. Es war so verdammt cool mit den ca. 100 Jugendlichen, die diese Freikirche wöchentlich erreichte, kirchliche Jugendarbeit zu gestalten. Einerseits habe ich dort so viel Wertschätzung für meine Arbeit erfahren und hatte das Gefühl, dass ich meinen „Job“ richtig gut mache. Andererseits stellte ich schon damals das eine und andere in Frage, was ich meinte, vertreten und glauben zu müssen.

Heute nennt man das „Dekonstruktion“, was für mich damals äußerst brutal war. Denn bedenke: Damals gab es zwar schon das Internet, aber nicht in Form einer Community und als Austauschplattform. Wir waren stolz wie Bolle, dass wir Ende der 90er überhaupt sowas wie eine statische Website für unsere Freikirche realisieren konnten. Ich sah in dieser Situation keine Anlaufstelle und keinen anderen Ausweg als den Ausstieg aus meinem Job als Jugendpastor. Dank dem Zuspruch und der Ermutigung von Doro habe ich mich mit 26 Jahren zu einem weiteren Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik durchgerungen. Anfang der 2000er habe ich zunächst als Webentwickler in einer Internetagentur in Karlsruhe gearbeitet. 2005 wechselte ich dann als Entwickler in ein SAP-Beratungshaus, wo ich mehr und mehr als Berater und Projektleiter zum Einsatz kam. In dieser Zeit sind wir Eltern geworden und haben uns in der Nähe von Pforzheim „häuslich“ niedergelassen. Die ganze Zeit waren wir trotz all meiner Fragen noch als Familie in der „freikirchlichen Szene“ unterwegs und engagiert. Denn im Vordergrund standen in dieser Phase weniger die theologischen Fragen. Ich wollte ein guter Familienpapa sein und im Job vorankommen. Das war für viele Jahre mein Fokus. 2015 sind wir wieder nach Nordhessen zurückgekehrt. Mit dem Heranwachsen unserer Kids gab es für mich persönlich wieder mehr Freiraum, in dem nun erneut meine theologischen und ethischen Fragen hochpoppten.

Ich war Mitglied in einer Kasseler Freikirche und hatte dort mit ganz tollen und leidenschaftlichen Menschen zu tun, die ich sehr schätze. Und ich verstehe mich auch heute noch als Freund dieser Gemeinde. Dennoch bin ich auf der Suche nach einer neuen „postevangelikalen“ oder „progressiven“ Kirchenform. Und irgendwie bin ich im Großraum Kassel hier noch nicht fündig geworden.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die einzige Person in Kassel und Umgebung bin, die so tickt. Vielleicht hast auch du eine ähnliche Entwicklung genommen? Und vielleicht wäre das unsere Chance, darüber nachzudenken, was wir gemeinsam bewegen könnten? Hast du auch Bock auf eine verbindliche Community? Wer will „Gemeinde“ bzw. „Kirche“ (ja, ich weiß, das sind gewaltige Begriffe, vor denen ich auch Respekt habe) noch mal ganz neu denken, ohne das Ganze gleich mit einem hauptamtlichen Pastor und einer Immobilie zu verknüpfen?

Mit Interessierten gab es bereits zwei erste Treffen. Dabei wurde mir klar, dass ich als Initiator mehr Stellung beziehen muss. Mit diesem Blog will ich beginnen, mich deutlicher zu positionieren. Ich möchte meine Artikel nicht dogmatisch verstanden wissen. Ja, ich möchte schon eine klare Idee vermitteln und beschreiben, für was ich stehe. Aber vor allem geht es mir um ein Mindset und eine Haltung. Und wenn du dich hier im Großen und Ganzen wieder findest, lass uns miteinander ins Gespräch kommen.

Fernab von dem Thema „Kirche“ habe ich noch zwei weitere Leidenschaften, zu denen ich mich vielleicht hin und wieder auch melden werde: Zum einen bin ich großer Fan von elektronischer Musik die in Richtung Synthpop, Synthwave, New (Retro) Wave, Electonic Body Music, Italo Body Music, Italo Disco, Post Punk usw. geht. Zum anderen begeistert mich seit meiner Kindheit der Fußball. Ein geiler Sport, mit dem man ziemlich viel vermitteln, aber leider auch zerstören kann.

Nun viel Spaß mit diesem Blog. Wenn du Fragen hast oder einen Kontakt wünschst, melde dich gerne!

Be blessed, George

PS: Ach ja, ich bin weder „Tiefen-Theologe“ noch Experte einer theologischen Disziplin. Ich habe die eine oder andere Idee. Die möchte ich hier gerne artikulieren. Dabei schreibe ich vor allem aus dem Bauch heraus. Das wird mal mehr, mal weniger strukturiert und gut formuliert sein. Wenn es deine Berufung ist, das „theologische Haar“ in der Suppe zu finden, bist du hier „haargenau richtig“ – ja, das war jetzt ironisch. Ich bin offen für konstruktive Kritik. Aber für das Diskutieren und Herumreiten auf Spitzfindigkeiten werde ich nicht allzu viel Muße verwenden.

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